“Eu­ro­pa muss mehr sein als ein li­be­ra­li­sier­ter Markt. Eu­ro­pa ist ein ge­mein­sa­mer Wäh­rungs- und Wirt­schaftsraum, den es mit ge­mein­sa­men Wer­ten und Vi­sio­nen zu ge­stal­ten gilt. Als Ko­or­di­na­tor im Aus­schuss für Bin­nen­markt und Ver­brau­cher­schutz ar­bei­te ich daran, unter Rück­sicht auf na­tio­na­le Be­son­der­hei­ten, faire Spiel­re­geln für alle zu ent­wi­ckeln.”

Ziel der Ar­beit im Aus­schuss ist es, den eu­ro­päi­schen Bin­nen­markt zu voll­enden. Dies be­deu­tet der freie Ver­kehr von Waren und Dienst­leis­tun­gen ohne Hür­den über die Gren­zen hin­weg. Die­ses Ziel ist auch im Ver­trag von Lis­sa­bon ver­an­kert und soll den Bür­gern Eu­ro­pas wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Frie­den und Wohl­stand zu­si­chern.

Im Ein­zel­nen dis­ku­tiert der Aus­schuss The­men des frei­en Wa­ren­ver­kehrs, der Nie­der­las­sungs- und der Dienst­leis­tungs­frei­heit. Seine Auf­ga­be ist es, die Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glieds­staa­ten im Be­reich des Bin­nen­mark­tes und der Zoll­uni­on auf Ebene der Eu­ro­päi­schen Union zu ko­or­di­nie­ren. Au­ßer­dem be­han­delt der Aus­schuss Fra­gen des Ver­brau­cher­schut­zes und för­dert und schützt so die wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen der eu­ro­päi­schen Ver­brau­cher.

Ver­brau­cher­rech­te auf EU-Ebe­ne ein­zu­füh­ren be­deu­tet, dass mit dem frei­en Ver­kehr von Waren und Dienst­leis­tun­gen über die Gren­zen hin­weg auch der Schutz der Ver­brau­cher ein­her­ge­hen muss. Der EU-Bin­nen­markt bringt den Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­chern viele Vor­tei­le: Oft gibt es Waren in der ge­wünsch­ten Aus­füh­rung oder zu be­son­ders güns­ti­gen Prei­sen nur im EU-Aus­land. Ist eine Ware je­doch mit Män­geln be­haf­tet oder wurde der Ver­brau­cher durch ver­wir­ren­de Ver­trä­ge ge­täuscht, bei­spiels­wei­se bei der Er­öff­nung eines Bank­kon­tos oder dem Ab­schluss einer Ver­si­che­rung, muss er seine Rech­te ken­nen und sich auch dar­auf be­ru­fen kön­nen - auch jen­seits der Lan­des­gren­zen. Nur so kön­nen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger von den Vor­tei­len des Bin­nen­mark­tes best­mög­lich pro­fi­tie­ren. Wären alle Re­ge­lun­gen im Ver­brau­cher­schutz in Eu­ro­pa gleich, wäre die Trans­pa­renz am grö­ß­ten. Ich ar­bei­te der­zeit an der Ver­ein­heit­li­chung der Ver­brau­cher­rech­te. Wir wol­len durch die Ver­ein­heit­li­chung be­stimm­ter Be­rei­che das An­ge­bot sowie die Rech­te für Ver­brau­cher ver­bes­sern.

Der eu­ro­päi­sche Bin­nen­markt wird in den EU-Ver­trä­gen als "Raum ohne Bin­nen­gren­zen, in dem der freie Ver­kehr von Waren, Per­so­nen, Dienst­leis­tun­gen und Ka­pi­tal (...) ge­währ­leis­tet ist" be­schrie­ben. Der un­ge­hin­der­te Wa­ren­trans­port über die Gren­zen in­ner­halb der EU ist heute eben­so selbst­ver­ständ­lich ge­wor­den wie das un­ge­hin­der­te Rei­sen, Leben und Ar­bei­ten für EU-Bür­ger. Die Ge­stal­tung des Bin­nen­mark­tes un­ter­liegt einem kon­ti­nu­ier­li­chen Pro­zess, der fle­xi­bel auf neue wirt­schaft­li­che und po­li­ti­sche Ver­än­de­run­gen re­agie­ren muss. So war die Ost-Er­wei­te­rung der EU mit zwölf neuen Mit­glie­dern eine eben­so große Her­aus­for­de­rung für den Bin­nen­markt, wie die ak­tu­el­le Fi­nanz­markt­kri­se. Um den Her­aus­for­de­run­gen der Zu­kunft be­geg­nen zu kön­nen, ist ein funk­tio­nie­ren­der Bin­nen­markt die Grund­la­ge, um auch in wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Zei­ten auf Sta­bi­li­tät und Wachs­tum zu bauen.

Ein Schwer­punkt der Ar­beit im Aus­schuss liegt auf der Stär­kung der in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werbs­fä­hig­keit eu­ro­päi­scher Un­ter­neh­men, unter an­de­rem durch die Ge­währ­leis­tung eines un­ter­neh­mer­freund­li­chen Kli­mas. Bei­spiels­wei­se durch eine bes­se­re Rechts­durch­set­zung für Un­ter­neh­men ge­gen­über Auf­trag­ge­bern bei Zah­lungs­ver­zug.

Bei allen Er­run­gen­schaf­ten um die Ver­wirk­li­chung des eu­ro­päi­schen Bin­nen­mark­tes gibt es auch immer noch Schwie­rig­kei­ten, bei­spiels­wei­se bei der grenz­über­schrei­ten­den Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen. Hand­wer­ker und klei­ne Un­ter­neh­men be­kla­gen oft, dass dem Ar­bei­ten über die Gren­zen hin­weg manch­mal noch große Hür­den ent­ge­gen­ge­setzt sind, da man­che Mit­glieds­staa­ten ver­su­chen, ihre hei­mi­sche Wirt­schaft zu schüt­zen. Be­son­ders in mei­nem Wahl­kreis Süd­ba­den, wo es mit der Schweiz und Frank­reich gleich zwei Gren­zen gibt, sind viele Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sen­si­bi­li­siert.

Durch mehr grenz­über­schrei­ten­den Wett­be­werb könn­te das Po­ten­zi­al des Bin­nen­mark­tes viel bes­ser aus­ge­schöpft wer­den. Der Aus­schuss hat daher die so­ge­nann­te Dienst­leis­tungs­richt­li­nie er­ar­bei­tet, mit der bü­ro­kra­ti­sche Hin­der­nis­se ab­ge­baut und die Er­brin­gung grenz­über­schrei­ten­der Dienst­leis­tun­gen er­leich­tert wer­den. Auch ist die An­er­ken­nung von Be­rufs­qua­li­fi­ka­tio­nen ein wich­ti­ger Fak­tor, um Wett­be­werbs­nach­tei­le wie den Fach­kräf­te­man­gel ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Die Eu­ro­päi­sche Union ist mit fast 500 Mil­lio­nen Ein­woh­nern der grö­ß­te Han­dels­raum der Welt. Der freie Wa­ren­ver­kehr ist eine der im Bin­nen­markt der EU ga­ran­tier­ten Frei­hei­ten. Seit Ja­nu­ar 1993 wur­den die Kon­trol­len des Wa­ren­ver­kehrs in­ner­halb des Bin­nen­mark­tes ab­ge­schafft, so dass die EU zu einem Raum ohne Gren­zen wurde. Dies stell­te die Zoll­be­hör­den je­doch vor neue Her­aus­for­de­run­gen: Sie müs­sen rei­bungs­lo­se Han­dels­flüs­se ge­währ­leis­ten und gleich­zei­tig die er­for­der­li­chen Kon­trol­len durch­füh­ren, um die Ge­sund­heit und Si­cher­heit der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger der Ge­mein­schaft zu schüt­zen. Dar­über hin­aus müs­sen an den Au­ßen­gren­zen der EU die ge­mein­sa­men Be­stim­mun­gen ein­heit­lich an­ge­wen­det wer­den, was be­deu­tet, dass die 27 Zoll­ver­wal­tun­gen der EU wie eine ein­zi­ge Ver­wal­tung han­deln müs­sen.

Stei­gen­de Be­deu­tung im in­ter­na­tio­na­len Han­del kommt dem Kampf gegen Be­trug, Ter­ro­ris­mus und or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät zu. Daher habe ich ge­mein­sam mit Kol­le­gen das "Forum gegen Pro­dukt- und Mar­ken­pi­ra­te­rie", das sich mit der Be­kämp­fung von Pro­dukt­fäl­schun­gen, Schmug­gel­wa­re und or­ga­ni­sier­tem Ver­bre­chen be­schäf­tigt, ins Leben ge­ru­fen. In Ver­an­stal­tun­gen und Vor­trä­gen soll be­son­ders die Sen­si­bi­li­tät für diese Art der Kri­mi­na­li­tät in der Öf­fent­lich­keit er­höht wer­den, da feh­len­des Be­wusst­sein in der Be­völ­ke­rung eine ef­fek­ti­ve Be­kämp­fung bis­her er­schwert.

Das eu­ro­päi­sche Ver­ga­be­recht ist ein wei­te­rer Bau­stein zur Ver­wirk­li­chung des Bin­nen­mark­tes. Öf­fent­li­che Auf­trag­ge­ber müs­sen sich bei der Ver­ga­be sämt­li­cher Auf­trä­ge an all­ge­mein­ver­bind­li­che Ver­pflich­tun­gen, die in den EU-Ver­trä­gen fest­ge­schrie­ben sind, hal­ten. In vier Ver­ga­be­recht-Richt­li­ni­en, wel­che der Aus­schuss er­ar­bei­tet hat, sind die we­sent­li­chen ver­ga­be­recht­li­chen Grund­sät­ze der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung, des fai­ren Wett­be­werbs sowie der Trans­pa­renz fest­ge­schrie­ben.

In den ein­zel­nen Vor­schrif­ten ist fest­ge­legt, wel­che Leis­tun­gen über­haupt Ge­gen­stand des eu­ro­päi­schen Ver­ga­be­rechts und somit eu­ro­pa­weit aus­zu­schrei­ben sind. Dar­über hin­aus ent­hal­ten diese Richt­li­ni­en De­fi­ni­tio­nen zum Be­griff des öf­fent­li­chen Auf­trag­ge­bers. Sie be­stim­men damit, wel­che Ein­rich­tun­gen des öf­fent­li­chen und des pri­va­ten Rechts zur Be­ach­tung der ver­ga­be­recht­li­chen Vor­schrif­ten ver­pflich­tet sind. Dabei muss ein das Sub­si­dia­ri­täts­prin­zip be­ach­tet wer­den. Be­son­ders in den Be­rei­chen der Da­seins­vor­sor­ge haben die Kom­mu­nen eine Für­sor­ge­pflicht ge­gen­über den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern, bei­spiels­wei­se bei der Ge­sund­heits- oder Was­ser­ver­sor­gung. Die Auf­ga­be des Aus­schus­ses ist es, die best­mög­li­che Ver­sor­gung der Bür­ger bei grö­ßt­mög­li­chem Wett­be­werb zu si­chern.